Die Tradition

Die Legende

Von Generation zu Generation überliefert, wird die Legende am 24. Juni auf der Straße aufgeführt. Folge ihr Kapitel für Kapitel — das Glossar stets zur Hand.

  1. 01

    Zwei Völker

    Am Fluss Ferreira lebten zwei Völker: die Mauren (Mourisqueiros), Goldgräber des Berges Santa Justa unter dem Reimoeiro, und die Christen (Bugios), Bauern des Tals, angeführt vom Velho da Bugiada.

  2. 02

    Die kranke Prinzessin

    Die Tochter des Reimoeiro erkrankt schwer. Kein Weiser und kein Heiler kann sie heilen, und ihr Vater verzweifelt.

  3. 03

    Der geliehene Heilige

    Da er weiß, dass die Bugios ein wundertätiges Bild von São João Baptista verehren, bittet der Reimoeiro, es ausleihen zu dürfen. Aus Solidarität geben die Bugios es heraus.

  4. 04

    Das Wunder

    São João wirkt das Wunder und das Mädchen wird geheilt. Der Reimoeiro gibt ein Dankesfest.

  5. 05

    Die Verweigerung

    Der Reimoeiro weigert sich, das Bild zurückzugeben, und bietet den Bugios als Beleidigung seine Festreste an. Sie antworten mit gleicher Münze. Das Maß ist voll.

  6. 06

    Der Krieg

    Da der Heilige beansprucht und die Rückgabe verweigert wird, bricht Krieg aus. Boten und Doktoren des Rechts suchen vergeblich nach Frieden. Zwischen den beiden Bühnen fliegen Schüsse.

  7. 07

    Der Velho wird gefangen genommen

    Ohne Pulver unterliegen die Bugios. Der Reimoeiro stürmt ihre Bühne und nimmt den Velho da Bugiada gefangen. Kinder-Bugios wischen ihm die Tränen ab — der bewegendste Moment des Tages.

  8. 08

    Die Serpe

    Die Bugios rufen São João an und, da sie wissen, dass die Mauren monströse Gestalten fürchten, beschwören sie die Serpe. Mit ihr stürmen sie, und die entsetzten Mourisqueiros fliehen.

  9. 09

    Wiederhergestellte Ordnung

    Der Velho wird befreit und die Ordnung wiederhergestellt. Am Ende des Tages tanzen beide Heere die Dança do Santo zu Ehren des São João.

Die ganze Geschichte

Lies die ganze Legende

The Legend of Bugiada e Mouriscada

Man erzählt, dass vor langer Zeit zwei Völker am Fluss Ferreira lebten. Die Mauren hielten die Serra de Cuca Macuca — die heutige Serra de Santa Justa — und die Christen lebten im Flusstal. Die Mauren, oder Mourisqueiros, schürften Gold in den Bergen und wurden vom Reimoeiro angeführt. Die Christen, oder Bugios, bestellten das Land und wurden vom Velho da Bugiada angeführt.

Eines Tages erkrankte die Tochter des Reimoeiro schwer und keine Heilung war zu finden. Ihr Vater wandte sich vergeblich an jeden Weisen und Heiler und verfiel in Verzweiflung. Da hörte er, dass die Bugios, das benachbarte Volk von Sobrado, ein für seine Wunder berühmtes Bild von São João Baptista verehrten — eben jenes, das einst die eigene Tochter des Velho da Bugiada geheilt hatte.

In seiner Verzweiflung bat der Reimoeiro die Bugios, ihm das Bild zu leihen, damit es für seine Tochter Fürsprache halte. Aus Solidarität liehen es die Bugios — und São João wirkte ein weiteres Wunder: das Mädchen wurde geheilt, zur großen Freude ihres Vaters.

Zum Dank gab der Reimoeiro ein Festmahl — weigerte sich aber, den Bugios das Bild zurückzugeben. Seine Undankbarkeit ging noch weiter: beim Bankett bot er den Bugios als Beleidigung seine Tischreste an. Sie antworteten mit gleicher Münze. Das Maß war voll.

Die Bugios beanspruchten das Bild als ihr Eigen; die Mauren weigerten sich, es herauszugeben. Krieg brach aus. Botschaften gingen zwischen den Stämmen hin und her, um Frieden zu schließen — vergebens. Die Doktoren des Rechts (die Anwälte beider Völker) stritten über das Recht, kamen aber zu keiner Einigung. Zwischen den beiden Bühnen fielen Schüsse und die Stimmung kochte über.

Als den Bugios das Pulver ausging, sammelte der Reimoeiro sein Heer, zog gegen die gegnerische Bühne und stürmte sie, wobei er den Velho gefangen nahm. Bestürzung und Ungerechtigkeit herrschten: die Bugios, die das Bild aus Güte verliehen hatten, hatten nun weder den Heiligen noch ihren Anführer. Nur göttliches Eingreifen konnte sie noch retten.

Da flehen die Bugios São João, ihren Beschützer, um Hilfe an, der sie auch diesmal nicht im Stich lässt. Eingedenk der Furcht der Mauren vor monströsen Gestalten beschwören sie eine Serpe, um sie zu erschrecken. Mit ihr stürmen sie gegen die Mourisqueiros, die entsetzt fliehen und den Velho da Bugiada freilassen. Am Ende wird die ursprüngliche Ordnung wiederhergestellt — und beide Völker tanzen die Dança do Santo zu Ehren des São João.

Quelle: Legende dokumentiert auf saojoaodesobrado.pt (Fábia Pinto, 2007).