Man erzählt, dass vor langer Zeit zwei Völker am Fluss Ferreira lebten. Die Mauren hielten die Serra de Cuca Macuca — die heutige Serra de Santa Justa — und die Christen lebten im Flusstal. Die Mauren, oder Mourisqueiros, schürften Gold in den Bergen und wurden vom Reimoeiro angeführt. Die Christen, oder Bugios, bestellten das Land und wurden vom Velho da Bugiada angeführt.
Eines Tages erkrankte die Tochter des Reimoeiro schwer und keine Heilung war zu finden. Ihr Vater wandte sich vergeblich an jeden Weisen und Heiler und verfiel in Verzweiflung. Da hörte er, dass die Bugios, das benachbarte Volk von Sobrado, ein für seine Wunder berühmtes Bild von São João Baptista verehrten — eben jenes, das einst die eigene Tochter des Velho da Bugiada geheilt hatte.
In seiner Verzweiflung bat der Reimoeiro die Bugios, ihm das Bild zu leihen, damit es für seine Tochter Fürsprache halte. Aus Solidarität liehen es die Bugios — und São João wirkte ein weiteres Wunder: das Mädchen wurde geheilt, zur großen Freude ihres Vaters.
Zum Dank gab der Reimoeiro ein Festmahl — weigerte sich aber, den Bugios das Bild zurückzugeben. Seine Undankbarkeit ging noch weiter: beim Bankett bot er den Bugios als Beleidigung seine Tischreste an. Sie antworteten mit gleicher Münze. Das Maß war voll.
Die Bugios beanspruchten das Bild als ihr Eigen; die Mauren weigerten sich, es herauszugeben. Krieg brach aus. Botschaften gingen zwischen den Stämmen hin und her, um Frieden zu schließen — vergebens. Die Doktoren des Rechts (die Anwälte beider Völker) stritten über das Recht, kamen aber zu keiner Einigung. Zwischen den beiden Bühnen fielen Schüsse und die Stimmung kochte über.
Als den Bugios das Pulver ausging, sammelte der Reimoeiro sein Heer, zog gegen die gegnerische Bühne und stürmte sie, wobei er den Velho gefangen nahm. Bestürzung und Ungerechtigkeit herrschten: die Bugios, die das Bild aus Güte verliehen hatten, hatten nun weder den Heiligen noch ihren Anführer. Nur göttliches Eingreifen konnte sie noch retten.
Da flehen die Bugios São João, ihren Beschützer, um Hilfe an, der sie auch diesmal nicht im Stich lässt. Eingedenk der Furcht der Mauren vor monströsen Gestalten beschwören sie eine Serpe, um sie zu erschrecken. Mit ihr stürmen sie gegen die Mourisqueiros, die entsetzt fliehen und den Velho da Bugiada freilassen. Am Ende wird die ursprüngliche Ordnung wiederhergestellt — und beide Völker tanzen die Dança do Santo zu Ehren des São João.
Quelle: Legende dokumentiert auf saojoaodesobrado.pt (Fábia Pinto, 2007).